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Wide Wings

Kurzgeschichte von Heiko Freitag

In einer nahen Zukunft. Man schreibt mittlerweile das Jahr 2024. Manche Dinge im Gegensatz zu heute, haben sich verändert. Grundlegend verändert.
Die Macht der Konzerne ist stark wie nie. Um so mehr Arbeitsplätze ein Konzern sein Eigen nennen kann, um so mehr Macht hat er. Und diese Macht wurde von den Konzernen ausgenutzt. Bei eventuellen Problemen wie Steuern oder massiver Umweltverschmutzung, wurde mit einer Standortverlegung gedroht, so daß alle Verfahren eingestellt wurden. Überall auf der Welt waren die Konzerne die stillen Lenker hinter der Regierung. Dieses war das Klima, welches auf der Erde herrschte. Mißtrauen, Mißgunst und Korruption waren in das tägliche Leben eines jeden Menschen eingebrochen.
Am 18.03.2024 um 1100 MEZ änderte sich all dieses. Um diese Zeit nämlich, begann die Pressekonferenz des Van-Graachten™ Konzerns. Van-Graachten™ war eine kleine niederländische Forschungsfirma, die ihre Zeit mit der Mulekular - Forschung und anderen ähnlichen Späßen verbrachte. Die Pressekonferenz war weltweit angekündigt worden. Keiner der anwesenden Pressevertreter ahnte, welche Brisanz hinter der Ankündigung steckte. Jahre später, als jeder Pressevertreter sein Buch über den Tag schrieb, da versuchten sie die Erfahrungen in Worte zu fassen, doch das war gar nicht so einfach.

Die Pressekonferenz lief wie folgt ab: jeder Pressevertreter saß in einer kleinen Kabine und folgte so der Konferenz. Hinter den Firmenvertretern war ein großer Wandmonitor angebracht, dieser Monitor war in viele kleine Bereiche unterteilt, auf denen nur der Name vieler verschiedener Großstädte der Welt blinkte. Unter einer weltweiten Pressekonferenz hatten sie sich zwar alle etwas anderes vorgestellt, aber noch blieben sie gespannt. Nach einer kurzen Einleitungsrede erklärte der Vorstandsvorsitzende des Konzerns den Grund der Pressekonferenz. Es sei dem Konzern nach einem Jahrzehnt der Forschung gelungen, ein jedes Molekül zu scannen und exakt wieder herzustellen. Einige Journalisten begannen sich aus Gewohnheit Notizen zu machen, doch niemand war wirklich interessiert. Der Vorsitzende sprach weitläufig und ausführlich zu dem Thema. Am Ende seines Vortrages stand er auf und ging vor den Reportern in ihren Kabinen auf und ab. Keiner der anwesenden Pressevertreter ahnte was nun folgen würde.

"Meine lieben Vertreter der Weltpresse, ich habe sie hierher gebeten, um ihnen die Weltsensation zu präsentieren, die diese Welt verändern wird. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein Sprung in das Universum! Meine Damen und Herren. Willkommen im 22 Jahrhundert." Nach dem er diese Worte gesprochen hatte, leerten sich die Kabinen und die Reporter waren verschwunden. Auf der Monitorwand hinter dem Vorstand blinkten nun die Namen der Hauptstädte kurz auf und dann waren dort die verdutzten Reporter zu sehen; sie standen vor der Freiheitsstatue, vor dem Eifelturm, auf dem roten Platz, vor dem Brandenburger Tor..... Vor jedem bekannten Symbol der Hauptstädte dieser Welt stand oder saß ein verdutzter Reporter. Alle waren sprachlos, was ja nun bekanntlich bei dieser Berufsgruppe nicht so oft vorkommt.

Nach einer guten halben Stunde gab der Vorstandsvorsitzende ein Zeichen, und schon ein paar Sekunden später saßen alle wieder in ihren Kabinen. Die Fragen stürzten auf den Vorsitzenden ein. Er winkte ab. "Meine Damen und Herren, beim Verlassen des Raumes werden sie alle entsprechende Informationen erhalten. Jeder von Ihnen ist nunmehr der lebendige Beweis, daß es möglich ist, ohne Flugzeuge, Schiffe, Autos und Fahrzeuge jeder Art sich von Ort zu Ort zu bewegen. Van-Graachten™ hat die Welt verändert. Wir haben uns für die nächsten 300 Jahre die Weltpatente an unserer Erfindung gesichert. Wir sind glücklich, uns als den tatsächlichen Erfinder des Beamen bezeichnen zu können. Berichten sie von dem heutigen Tag, berichten sie, was ihnen heute widerfahren ist. Sie haben die Zukunft am eigenen Leibe erfahren und die Zukunft wurde ihnen präsentiert von Van-Graachten™." Die meisten Reporter stürzten sich auf ihre Telefone, um ihre Redaktionen anzuweisen, die Titelseite frei zu halten. Manche verließen fluchtartig den Raum. Sie griffen sich die Informationen, die ihnen mittels einer CD in die Hand gedrückt wurden. Die Schlaueren unter Ihnen riefen ihre Bank oder Makler an und tauschten all ihre Ersparnisse und noch mehr in VG™ Aktien um. Die Aktienwerte stiegen am ersten Tag um das zehnfache und am zweiten Tag um das eintausendfache. Am dritten Tag waren keine VG™ Aktien mehr erhältlich. Keiner verkaufte VG™ Aktien, alle hielten sie fest und jeder hätte sie mit seinem Leben beschützt. Das Echo war unglaublich, noch niemals in der Menschheitsgeschichte hatte es eine Firma geschafft, einen Börsenknall, nein eine solche Börsenexplosion herbeizuführen. Die Kurse sämtlicher Fahrzeugproduzenten dieser Welt stürzten ins Bodenlose. Eine Stunde nach Börseneröffnung nahmen die Flugzeughersteller ihre Aktien vom Markt und eine halbe Stunde später die restlichen Fahrzeughersteller.

Die Welt hielt den Atem an. In der niederländischen Hauptzentrale von VG™ liefen alle Kommunikations-Leitungen heiß. Doch auf allen Ebenen lief stereotyp der gleiche Text. Es sei niemand zu sprechen und es werde in einer Woche eine weitere Konferenz geben, auf der alle weiteren Fragen beantwortet werden. VG™ bedankt sich für ihren Anruf. Bereits in der ersten Nacht wurden vier Einbrecher von dem automatischen Einbruchsschutz in der VG™ Zentrale erschossen. In der zweiten Nacht versuchten diverse Hacker, sich über das Internet in die Firma einzuhacken. Doch nachdem sich auf wunderbare Weise ihre Computer in einen wertlosen Haufen Schrott verwandelt hatten, staunten sie nicht schlecht. Alles war von sehr langer Hand vorbereitet worden. Die Internetseite der Firma wurde Millionenmal aufgerufen. Dort waren die ersten Informationen erhältlich, doch sie waren nur allgemein gehalten. Auch dort verwies man auf die nächste Pressekonferenz. In der dritten Nacht gab es mehrere Explosionen und vierzehn tote Terroristen auf dem VG™ Gelände. Das Sicherheitssystem von VG™ funktionierte perfekt. Am vierten Tag forderten die UNO und alle Länder der Welt den Konzern auf, die Konferenz sofort durchzuführen. Doch die Konzernleitung verwies mit einem Fax an alle Nachrichtenagenturen auf die folgende Konferenz. Das Fax ließ sich auch nicht zurückverfolgen. Es schien als hätte der Konzern alles sehr lange vorbereitet. Am fünften Tag versuchte Militär den Konzernsitz einzunehmen. Die Außenfenster des Gebäudes verwandelten sich in einen großen Monitor und wies die Angreifer daraufhin, daß sich niemand in dem Gebäude aufhalten würde und sämtliche Betriebsgeheimnisse sich nicht mehr hier befinden würden. Weiterhin wurden die Angreifer aufgefordert, sich unverzüglich von dem VG™ Grundstück zu entfernen, da ansonsten nicht mehr für ihre Sicherheit garantiert werden könne. Das Militär entfernte sich jedoch erst, als ein Panzer durch eine nicht mehr feststellbare Kraft zerrissen wurde. Alle Konzernmitarbeiter und ihre Familien waren verschwunden. Alle Versuche, sie ausfindig zu machen, scheiterten. Es blieb der Welt nichts weiter übrig, als auf die nächste Konferenz zu warten.


© by Heiko Freitag

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18.07.99