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Das Waldteufelchen

Ein Märchen von Ulrike Kamenz

Es war einmal ein Wald. Im dem Wald war alles blitzsauber. Sogar die Luft zwischen den Bäumen schien zu glänzen. Die Bäume und auch die Tiere des Waldes waren sehr froh darüber. Denn in einer schönen Umgebung macht das Leben noch mal soviel Spaß. Die Bäume erzählten sehr gerne miteinander. Für uns Menschen hört sich das wie Blätterrauschen an. Manchmal, wenn sie ärgerlich über etwas wurden, konnten sie mit ihren Ästen auch dunkel und bedrohlich knarren. Aber das kam nur höchst selten vor.
Doch an einem Mittwoch, mitten im November, krachte es ganz laut im Wald. Das war kein Knarren, wie es alle kannten, nein, richtiger Krach. Alarmiert schauten sich die Bäume an. Und auch die Tiere des Waldes wurden unruhig. Die fleißigen Waldameisen ließen gegen ihre sonstige Gewohnheit alles stehen und liegen und eilten zu ihrem Ameisenhaufen. Die Vögel flüchteten in ihre Nester. Die Rehe verkrochen sich unter ganz besonders dichtes Gebüsch. Und sogar der Fuchs schlich mit eingezogenem Schwanz zu seinem Bau.
Am liebsten wären auch die Bäume verschwunden. Aber wie ? Sie waren ja fest im Waldboden verwurzelt. So sahen sie als erste den kleinen rötlichen Fleck, der näher und näher kam. Der Fleck nahm langsam Gestalt an. Aber er ähnelte weder einem Menschen noch irgendeinem Tier, das sie kannten. Selbst eine uralte Eiche schüttelte verlegen ihre Krone. Nein, was das für ein Wesen sei, wisse sie auch nicht. Schließlich ergriff eine vorwitzige junge Kiefer das Wort.
"Wer oder was bist Du", fragte sie geradeheraus und mit sehr viel Neugierde in der Stimme. Die kleine rosa Gestalt grinste und schlug sich stolz auf die Brust.
"Ich bin ein Waldteufel !", schrie sie so laut, daß auch die letzten Bäume und die entferntesten Tiere diesen Satz hören konnten.
"Ein rosa Teufel?", wunderten sich alle , "gibt es denn so was?"
"Na, das seht ihr doch!", murrte der Teufel, "wie kann man nur so dumm fragen."
"Bist du rosa, weil du ein lieber Teufel bist?", wollte eine Tanne wissen.
"I wo.". Der Teufel verdrehte die Augen, "Es gibt keine lieben Teufel."
"Aber du siehst so nett aus, wandten ein paar kleinere Bäume ein.
"Um so besser!", dröhnte der Teufel, "Dieser Wald gefällt mir. Ich bleibe hier, ich heiße Luzifer homini, kurz Luh. Und nun beginne ich mit der Arbeit."
"Arbeit ?", wunderten sich die Bewohner des Waldes, "was für eine Arbeit."
"Na, zum Wohnen ist es mir zu eng hier, ich brauche Platz."
Luh suchte sich einen sägescharfen Feuerstein und ritsch ratsch sägte er flugs fünf Tannenbäume ab. Stöhnend fielen sie auf den kalten Waldboden, Harz lief ihnen über die Rinde.
"Warum nur Tannenbäume?", fragte eine Minitanne leise.
"Da denkt der Förster, daß sich ein paar böse Menschen heimlich Weihnachtsbäume geholt haben. Das ist verboten, aber Teufel sei Dank gibt es genug schlimme Leute."
Luh rieb sich vergnügt die Hände. Dann hackte und sägte er die Bäume gleich noch klein und zündete ein Feuerchen an.
"Welch´ ein Qualm und Gestank.", jammerten die Bäume.
"Wir kriegen gar keine frische Luft mehr!", schluchzten die Ameisen. Alle waren unglücklich, außer Luh.
"Zieht doch um.", meinte er beleidigt, "ich finde so ein Lagerfeuer im Wald urgemütlich!"
"Aber wenn der ganze Wald abbrennt.", gaben die Bäume zu bedenken, "was ist dann?"
Sie fürchteten zu Recht um ihr Leben.
"Dann wächst hier halt eine Wiese", knurrte der Teufel ärgerlich. Die uralte Eiche war empört.
"Du scheinst nicht zu wissen, daß wir Bäume die Luft reinigen, Menschen und Tiere brauchen saubere Luft zum Atmen.", sagte sie eindringlich.
"Das scheinen die Menschen ja selber nicht zu wissen oder warum machen sie Wälder kaputt?" Luh guckte triumphierend in die Runde. Niemand wußte eine Antwort.
"Na also, dann stört mich nicht mehr beim Einrichten!", forderte der Teufel. Und weg war er. Erleichtert atmeten die Tiere auf. Die Bäume nickten sich aufmunternd zu und für einen kleinen Moment schien es wieder wie früher zu sein. Doch das laute Krachen ließ nicht lange auf sich warten und diesmal wußte jeder im Wald, wer da kam. Luh schleppte eine alte Couch an.
"Was soll denn dieser Müll im Wald?", fragte die kleine Kiefer. Der Teufel hatte es gehört.
"Quatsch Müll!", schimpfte er, "das wird meine Wohnung!"
Und Luh holte noch zwei Stühle, einen Tisch, einen Schrank und baute alles auf den Baumstümpfen auf.
"Ach ist das schön!", freute er sich. Er setzte sich auf den Stuhl, legte die Beine auf den Tisch, streckte seine Arme über den Kopf und überlegte, was noch fehlte.
"Klar!", Luh schlug sich die Hand vor die Stirn, "Essen und Trinken. Ich könnte mir ja eine Hasen fangen und braten!" Die Hasen, die das hörten, machten vor Schreck ins Gras.
"Ach, das ist zu anstrengend.", überlegte Luh weiter. Ihm fiel etwas anderes ein und den Langohren ein Stein vom Herzen. Nicht lange, da tauchte er mit Flaschen und Konservendosen auf. Trank, aß und schmiß den Abfall einfach in die Büsche. Ein kleines unvorsichtiges Eichhörnchen schnitt sich an einem Glassplitter die Pfote auf. Ein junges Reh trat so unglücklich auf eine der scharfkantigen Konservendosen, daß es sein Bein verletzte.
"Selbst schuld!", behauptete Luh dreist, "die beiden hätten besser aufpassen können. Es ist einfach bequemer, den Abfall in den Wald zu werfen. Ich kann doch nicht wegen jeder einzelnen Konservendose bis zur Müllkippe laufen."
Und er richtete bis tief in die Nacht Unheil an.

Am Donnerstagmorgen ging der Förster fröhlich pfeifend durch sein Revier. Auf einmal blieb ihm die lustige Melodie im Halse stecken. Er brachte keinen Ton mehr heraus. Konservendosen und Glasflaschen stapelten sich in seinem sonst so sauberen Wald. Auf das, was er dann sah, konnte er sich erst recht keinen Reim machen. Auf fünf Baumstümpfen standen eine Couch, ein Tisch, zwei Stühle, ein Schrank. Daneben fand er Spuren eines Lagerfeuers. Der Förster stöhnte:
"Solche gemeinen Menschen ! Holen sich unerlaubt ihre Weihnachtsbäume aus dem Wald und bringen gleich noch ihren Sperrmüll mit. Bloß das Lagerfeuer, so richtig paßt es gar nicht dazu?"
Der Mann überlegte nicht lange, sondern brachte seinen Wald in Ordnung. So gut, wie es eben ging. Er sammelte den Unrat auf und bedeckte die Feuerstelle mit Sand. Zum Schluß fuhr er die alten Möbel zur Müllhalde. Die fünf Tannen konnte er nicht mehr retten. Viel später als sonst kam der Mann nach Hause und schlief erschöpft ein.

Bei seinem Freitagsrundgang durch den Wald war ihm nicht zum Pfeifen zumute. Der gestrige Tag saß ihm noch zu tief in den Knochen. Und als er an die Stelle kam, wo er den traurigen Fund gemacht hatte, traute er seinen Augen nicht. Das gab es doch gar nicht! Die Möbel, die er eigenhändig weggeräumt hatte, standen wieder genau auf dem alten Platz. Ein Lagerfeuerrest schmauchte noch. Und drum herum lagen Plastetüten, Konservendosen und Papierkneuel. Voller Verzweiflung setze sich der Förster auf ein weiches Büschel Moos. Die Bäume und Tiere hätten ihm zu gerne geholfen, aber wie? Die Sprache der Menschen beherrschten sie nicht. Und der Förster verstand ihre genauso wenig. Wieder räumte er alles auf. Aber dann fuhr der Förster, obwohl er total müde war, nicht nach Hause. Er legte sich auf die Lauer. Ein lautes Krachen rüttelte ihn auf. Ein seltsames rotes Kerlchen schimpfte wie ein Rohrspatz:
"Wer hat meine schönen Möbel weggetragen und mein Lagerfeuer gelöscht. Huhu. Das ist eine Gemeinheit."
"Ich war das!", sagte der Förster und trat aus seinem Versteck heraus.
"Warum bist Du so hundsgemein ?" , heulte das Teufelchen.
"Ich bin der Förster und muß mich um einen sauberen Wald kümmern."
"Aber wie soll ich denn in einem sauberen Wald wohnen? Das ist ja gräßlich.", jammerte Luh. "Waldteufel brauchen dreckige Wälder, sonst fühlen sie sich nicht wohl!"
"Tieren und Pflanzen gefallen müllfreie Wälder viel besser!", erklärte der Förster.
"Mir egal.", meinte das Waldteufelchen patzig. Der Förster wollte ärgerlich werden, aber er besann sich und meinte nur :
"Ich habe eine Idee."
"Eine Idee?", staunte Luh.
"Gibt es viele Waldteufel ?", wollte der Förster wissen.
"Ja schon, aber was ist mit der Idee?"
"Dann ist es langweilig, nur ein Waldteufel unter vielen zu sein.", stellte der Grünrock fest," jedenfalls nichts besonderes."
"Die Idee!", mahnte Luh. "Ganz einfach, aber genial!", der Förster ließ Luh noch ein Weilchen zappeln. Dann sprach er sehr langsam und bedächtig:
"Du könntest der erste Müllhaldenteufel der Welt werden!"
Luh starrte den Förster sprachlos an. Einen kleinen Moment lang wußte der nicht, was passieren würde.
"Wieso bin ich nicht selbst darauf gekommen ?", stotterte der Teufel. "Müllhalde, Müllhalde.", krächzte er so laut, daß sich die schlanken Kiefern bogen und die Tiere die Flucht ergriffen. Aber nicht für lange. Der kleine rosa Waldteufel zog noch am gleichen Tag auf die Müllkippe. Ein idealer Ort für Teufel. Und im Wald feierten die Tiere ihren MüllFREItag. Der Wald glänzte so sauber wie eh und je. Die Tiere hüpften, liefen und sprangen wieder unbesorgt durch das Gebüsch. Die Bäume führten ein schönes ruhiges Leben. Und nur manchmal, wenn es gerade stürmte und krachte, erinnerten sie sich an die Waldteufeltage und erzählten den jungen Bäumen Geschichten über Luh, daß denen nur so die Blätter oder Nadeln zu Berge standen.


© by Ulrike Kamenz

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26.01.2000