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Kostümprobe - Die Traumwelt

Eine Geschichte von Annemarie Wach

Die blonde Prinzessin flüsterte dem Chinesen zu: „Verschwindet aus meinem Königreich, oder ihr werdet von meinem hauseigenen Drachen geröstet ." Wie auf Befehl stolperte ein altersschwacher Drache um die Ecke des Dachbodens . „Huuh, ich bin der große, starke, feuerspeiende Drache !" grölte er und bekam einen Hustenanfall. Der Chinese fing an zu kichern und konnte gar nicht mehr aufhören. Auch die Prinzessin und der immer noch hustende Drache stimmten in das Lachen ein . Die Prinzessin hatte sich zuerst wieder gefaßt und verkündete : „Wir sollten diese alten Kostüme erst einmal entstauben und in unseren Zimmern weiterspielen !" Der Drache nahm seinen Kopf ab und hervor kam ein blonder Jungenkopf mit knallroten Backen. „Ist das stickig da drin - und so staubig!" stöhnte der Drachenjunge namens Ben. Der Chinese wusch sich sein gelbes Gesicht unter dem Wasser- hahn und kratzte sich über sein noch immer gelbliches Gesicht. „Diese Karnevals-Schminke ist schrecklich! Alles kratzt!" Nur die Prinzessin zog ihr Kostüm ohne Murren aus und sagte zu dem „Chinesen" Jan : „Stöhn nicht rum ! Du wolltest doch umbedingt der Chinese sein ."

Inzwischen versuchte sie verzweifelt die Metallkrone aus den blonden Locken zu bekommen. „Soll ich dir helfen , Anna ?" fragte Ben und wandte sich ihren zerzausten Haaren zu , die nicht von der Krone zu trennen waren. Auch Jan kam näher und zusammen zupften sie strähnenweise die Haare frei. „Jan , Ben , Anna ! Essen !" schrie eine Stimme zum Dachboden herauf . Es war ihre Mutter , denn sie hatten die Zeit vergessen und bemerkten jetzt erst , daß es nicht mehr morgens , sondern bereits 15:00 Uhr war . Die drei stürzten die Bodentreppe herunter und um ein Haar wäre Jan über ihre Katze Nicki gestolpert und im hohen Bogen heruntergefallen. Er stoppte schnell und Anna und Ben prallten gegen seinen Rücken . „Was ist los ?" fragte Anna, die nun direkt hinter Jan stand , während dieser vorsichtig über das Kätzchen stieg. „Es ist nur unser Haustiger !" antwortete Jan kichernd und erreichte die Küche. „Was gibt es ?" keuchte er . „Es gibt Spinat mit Kartoffeln." antwortete seine Mutter und schob ihm schon seine Portion hin. Ben und Anna waren auch schon angekommen und hatten diese Schreckensnachricht vernommen. „Iiiiiih SPINAT!" meckerten sie im Chor. „Spinat ist gesund !" erwiderte ihre Mutter eisern und tischte auch Anna und Ben ihre Portionen auf. „Selbst Godzilla könntest du damit vertreiben", witzelte Ben, „und mich Drachen erst recht !" „Seid still und eßt!" befahl die Mutter und die drei stocherten lustlos in ihrem Spinat herum. Danach verzogen sie sich in ihr Zimmer und überlegten. „Wenn ich eine Hexe wäre , würde ich Mama so verhexen, daß sie uns nur Fast Food vorsetzt !" meinte Anna. Ben stimmte ihr zu : „Ja , wenn ich Godzilla wäre, würde ich alle Spinatbäume umwälzen!" Jan kicherte und erklärte Ben: „Spinat wächst doch nicht auf Bäumen!" Ben blieb sturr und erwiderte : „Aber es schmeckt so So schrecklich schmecken eigentlich nur alte Blätter!" „Wenn ich der Weltheerscher wäre, würde ich Spinat verbieten !" versprach Jan . „Nun , aber wir sind nun mal wir und nicht mehr und nicht weniger ." flüsterte Anna traurig . „Wir sind nur Kinder - wir haben nichts zu bestimmen ."

Plötzlich erschien ein helles Leuchten , ein Blitzen und ein so starkes und strahlendes Licht daß die Augen wehtaten. „Was ist das ?" fragte Ben ängstlich . „Ich weiß es nicht !" antwortete Anna erschrocken. „Ich weiß es nicht !" Dann erkannten sie ein Tor und eine Stimme sprach zu ihnen : „Dies ist das Tor zur Traumwelt , wo Träume Wirklichkeit werden ! Geht nur hindurch , und ihr könnt machen und tun was ihr wollt !" Die drei Kinder sahen sich unentschlossen an . Dann stand Ben auf : „Kann man auch so viel Eis haben wie man will und muß nie wieder Spinat essen ?" „Sicher", antwortete die Stimme . „Ihr könnt euch auch in alles verwandeln was ihr wollt !"Auch Anna stand auf und alle drei näherten sich dem Tor . Ben streckte eine Hand aus und faßte durch das Tor . Seine Hand verschwand und er zog sie blitzschnell wieder zurück . Ein letzter Blick zurück und gleichzeitig stiegen sie in das Tor und kamen in einer Traumwelt an . Was dort passiert ist eure eigene Geschichte - ihr könnt eurer Phantasie freien Lauf lassen .

© by Annemarie Wach

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07.10.2000