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Das schnelle Glück
Vier Gedichte von Erhard Zschage
Da steht man nun, ist fünfundzwanzig Jahre
und dreht sich nach den vielen Jahren um.
Die Jugend schwindet und auch schon die Haare,
man lernt noch immer und bleibt trotzdem dumm.In der Weltwirtschaftskrise wurde man geboren;
die Bildung übernahm das Dritte Reich.
Der Krieg ließ einen grad noch ungeschoren;
man war erst vierzehn und noch etwas weich.Dann kamen Umsturz und die schlechten Zeiten,
das neue Leben und die andere Partei.
Man war jung. Man mußte sich entscheiden.
Erst stand man abseits. Dann war man dabei.Man wurde Mann und hatte öfters Triebe,
streng wissenschaftlich heißt das Pubertät.
Man lernte küssen und auch sonst die Liebe.
Die große Liebe kann erst ziemlich spät.Man hatte Hoffnung und man hatte Ideale,
sie blieben bald und ziemlich weit zurück.
Heut glaubt man nur noch an das ganz Reale
Und manchmal auch ein bißchen an das Glück.Und nun lebt man in Deutschlands größtem Städtchen
Und nährt sich redlich vom Stipendium.
Man schläft allein und ab und zu mit Mädchen
und lernt noch immer und bleibt trotzdem dumm.1956
Da ist man wieder einmal umgezogen
und dieses Mal in eine andre Stadt.
So ist das Leben. Es macht seine Bogen
und manchmal hat man es sehr gründlich satt.Und wieder geht man neben fremden Leuten.
Die Welt ist ziemlich groß. Man fühlt sich ziemlich klein.
Kann man denn selbst sich noch etwas bedeuten?
Man lebt dazwischen und man lebt allein.Man hockt im ewig uniformen Zimmer.
Die Möbel riechen wieder nach geborgt.
Das Eisen-Feldbett knarrt und stöhnt wie immer,
die Stühle wackeln und man sitzt besorgt.Und das vollzog sich nun zum x-ten Male:
Man kommt und geht und kocht sich seinen Tee.
Und das ist so am hellen Strand der Saale,
genau so, wie dort oben an der Spree.1957
Wir wohnen in einunddemselben Haus,
(laut Haustafel dreizehn und ich)
nach vorn, in der Mitte und hinter raus,
und jeder ein bißchen für sich.
Man lebt bei der Witwe Frieda Hock
unter besserer Hegemonie.
Man kennt sich nur aus bis zum ersten Stock;
weiter oben war man noch nie.
Man trifft sich zuweilen auf dem Flur,
aus Verlegenheit wird dann gegrüßt.
Ansonsten hört man von Nebenan nur
das Schnarchen und wenn einer mal niest.
Die zweite Etage das weiß man nun schon-
muß viertel vor Sechs aus dem Bett.
Und an jedem Morgen der gleiche Ton
und die Stille dann rauscht das Klosett.
Parterre übt dienstags jemand Gesang
und hält sich für Christel Golz.
Allmählich deutet man jeden Klang,
man weiß: Er hackt wieder Holz.
So lernt man sich kennen durch den Verrat
intimster Geräusche von sich.
So lernt man sich kennen, ganz privat,
laut Haustafel dreizehn und mich.
1956
Nun ist sie mir davon gefahren
ich winkte lange und sie gabs zurück.
Zwei Tage, die wir Zwei zusammen waren
und eine Nacht, so schnell entschwindet Glück.Ich fuhr mit ihr durch junges Maiengrün;
ich sah nur sie und sie das Tachometer
und als es schwankend durch die Kurven ging,
hatte sie Angst. Das sagte sie erst später.Wir saßen irgendwo und tranken Wein
und tanzten viel und unsre Augen strahlten.
Oben schien der Mond. Da fiel mir ein:
Das Beste wäre, wenn wir zahlten.Die Nacht war schön, wir schliefen in den Tag.
Die Sonne lachte uns hinaus. Wir gingen.
Als ich dann mit ihr auf der Wiese lag,
fühlt ich es überall wie Abschied klingen.Nun ist sie mir davon gefahren
Sie winkte lange und ich gabs zurück.
Zwei Tage, die wir Zwei zusammen waren
und eine Nacht, so schnell entschwindet Glück.1955
Alle Gedichte (c) by Erhad Zschage
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14.01.2001